Er hinterliess Segensspuren in Algerien
Pfarrer Paul Brès, der die Arbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Algerien geprägt hat, ist am 19. Januar 2012 in seinem 91. Altersjahr gestorben.
Paul Brès wurde am 3. März 1922 als Sohn eines Missionars in Bougie (heute Béjaïa) in Algerien geboren. Nach seinem Theologiestudium in Paris und Genf, das er schon mit 17 Jahren begann, kehrte er nach Algerien zurück, um dort für die Reformierte Kirche von Algerien zu arbeiten. Zuerst wirkte er als Seelsorger der Französischen Streitkräfte im Innern, anschliessend als Pfarrer in Sétif. 1945 führte er als von der EMK in den USA ausgesandter Missionar die Arbeit in der methodistischen Station Il Maten fort, die früher schon sein Vater getan hatte. Zu jener Zeit kümmerte sich niemand um junge Menschen in Algerien. Die methodistische Mission baute deshalb in Alger, in der Kabylei, in Constantine und auch in Tunis Mädchen- und Knabenheime auf. Paul Brès wurde mit der Aufsicht über diese Heime betraut.
In jedem kabylischen Dorf existierte damals ein «djemaa», ein Dorfplatz, wo sich die Menschen oft trafen. Paul Brès ging ebenfalls dorthin, um das Evangelium zu verkünden. Mit der gleichen Absicht besuchte er auch die Märkte im Soummam-Tal. Daneben war er verantwortlich für die kleine protestantische Gemeinde von Sidi Aïch, die vorwiegend aus Funktionären wie Lehrpersonen und Militärs bestand.
1953 heiratete Paul Brès seine aus Constantine stammende Frau Akila. Sie war als Lehrerin der ersten Mädchenschule von Il Maten angestellt. Bald nach der Hochzeit zogen die beiden für drei Jahre in die USA. An der Universität von Connecticut absolvierten sie eine spezielle Ausbildung im Hinblick auf einen Dienst unter muslimischen Menschen. Sie eigneten sich ein sehr breites Wissen über den Islam an, das ihnen helfen sollte, sowohl Christen den Islam als auch Muslimen das Christentum näherzubringen. Nach dieser Ausbildung kehrten sie 1956 nach Algerien zurück und liessen sich in einer Liegenschaft der methodistischen Mission im Botschaftsviertel von Alger nieder. Dort blieben sie bis an Weihnachten 1969. Akila Brès engagierte sich in der Arbeit mit Frauen, während ihr Mann zusätzlich zum pastoralen Dienst auch zum Superintendenten der Methodistenkirche im ganzen Maghreb berufen wurde. Während dieser Zeit wurden auch ihre beiden Kinder geboren: Étienne im Jahr 1956 und Geneviève im Jahr 1962.
An Weihnachten 1969 wurde Paul Brès – nach vier Tagen im Gefängnis – aus Algerien ausgewiesen – wie viele andere kirchlichen Mitarbeiter auch. Nach einem Aufenthalt in Südfrankreich zog er schliesslich mit seiner Familie nach Strassburg, um sich auf Bitte der methodistischen Mission des Zentrums «Accueil familial nord-africain» (AFNA) anzunehmen und den protestantischen Kirchen im Elsass den Islam näher zu bringen. Zusammen mit seiner Frau und in Verbindung mit der ACO (Action chrétienne en Orient) erfüllte er diese Aufgabe während 16 Jahren in grosser Treue.
Paul und Akila Brès übernahmen wöchentliche Bereitschaftsdienste im Centre Social Protestant, besuchten Familien und Gefangene, halfen bei administrativen Fragen und, vielleicht die schwierigste Aufgabe, versuchten, die Christen für ihre Verantwortung zu sensibilisieren, andere Menschen aufzunehmen und ihnen Christus zu bezeugen. Die Arbeit umfasste den Empfang von Menschen muslimischen Glaubens – aus Nordafrika und anderen Gebieten – und ganz generell die Aufnahme von Menschen aus dem Ausland.
Paul Brès war auch Mitglied der Kommission Kirche-Islam des Evangelischen Bundes von Frankreich (Fédération Protestante de France) und übernahm 1984 deren Vorsitz. Unter anderem war er für die Herausgabe einer Publikationsreihe unter dem Titel «Den Islam kennenlernen» verantwortlich.
Durch die Verbindung mit der ACO reiste das Ehepaar Brès von 1989 bis 1993 nach Ägypten, um die protestantischen Gemeinden von Kairo und Alexandria wiederherzustellen. Dass sie beide Arabisch sprachen, erleichterte den Kontakt mit den Ägyptern sehr.
Nach ihrer Pensionierung im Jahr 1988 liessen sich die beiden im Familienbesitz der Familie Brès in Poët-Laval in der südostfranzösischen Drôme nieder. Solange es seine Kräfte zuliessen, engagierte sich Paul Brès in der Gemeinde von Dieulefit, wo er regelmässig predigte. Im Jahr 2011 wurde anlässlich der Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich Paul Brès’ 60-Jahr-Dienstjubiläum als Pfarrer der EMK gefeiert.
Im Vertrauen auf seinen auferstandenen Herrn schlief Paul Brès am 19. Januar 2012 nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt ruhig ein.
Autor: Daniel Nussbaumer


